Redebeitrag von uns auf der Kundgebung in Gedenken an Alberto Adriano

Vor 30 Jahren entstand unsere schöne neue Welt.Die große bunte Bundesrepublik. Ein Vorzeigeland in Sachen sozialer Sicherheit, demokratischer Mitbestimmung.

In den Jahren nach den entscheidenden Umwälzungen von 1989 / 90 bekamen viele von den Vereinigungs-Trunkenen gar nicht mit, dass neben der Westdemokratie-Glückseligkeit noch etwas anderes aus dunklen Gossen wieder hochwaberte: Die alte Ideologie der Ultra-Nationalen, des deutschen Übermenschen, des sogenannten Nationalsozialismus, des Rassismus, der Bereitschaft zu menschenverachtender Gewalt – gegen anders denkende, anders aussehende, anders lebende, anders wohnende, anders glaubende, anders sprechende, anders liebende Menschen.

Und obwohl einschneidende, unbegreiflich brutale mörderische Akte und eine nicht zu übersehende politische Neustrukturierung mit Auswirkungen bis weit in die sogenannte Mitte der Gesellschaft von diesen Kreisen ausgingen,sensibilisierten diese Ereignisse und gesellschaftlichen Entwicklungen lange nur wenige Personen außerhalb der bedrohten Kreise.

Dezember 1990 – Der Angolaner Amadeu Antonio Kiowa wird in Eberswalde ermordet

August 1992 – tagelange schwere Ausschreitungen in Rostock, der Sturm auf das Sonnenblumenhaus

November 1992 – Brandanschlag in Mölln

Mai 1993 – Brandanschlag in Solingen

Und so weiter und so fort, kann man ohne Übertreibung sagen. Im Jahr 2000 dann der Mosambikaner Alberto Adriano in Dessau – erschlagen, totgetreten von drei rechtsverblendeten jungen Männern. Unglaubliche Taten. Die Opfer: asylsuchende Geflüchtete, Zugewanderte, ehemalige Vertragsarbeiter … Menschen, die nicht ins Deutschland-Raster eines Rechtsextremen – und zunehmend auch scheinbar normaler Durchschnittsmenschen – passen.

Besonders eine Gruppe organisiert sich in jenen Jahren zur Gegenwehr, zumWiderstand, zur Verteidigung der Bedrohten und zur Schaffung von Schutzräumen: Ein Haufen junger, bunter Menschen, die sich vor allem politisch links und kulturell „alternativ“ definieren. Sie nahmen von Anfang an den Kampf gegen die neuen Nazis auf. Aber egal, wie sie sich dabei angestellt haben, von der Mehrheitsgesellschaft sind sie nur als das linke Schmuddel-Gegenstück der Nazis behandelt worden. Es gab in den 90er Jahren wenig Sympathie für oder gar Solidarität mit Leuten, die sich Antifaschist*innen nannten. Wie weit sind wir in Dessau bürgerlichen Kreisen entgegengegangen, um ein großes Bündnis gegen Nazis zu gründen?! Es war ein Zugeständnis, es schließlich „Bündnis gegen Rechtsextremismus“ zu nennen – weil der CDU „Bündnis gegen Rechts“ zu sehr auch gegen sie gerichtet klang. In den letzten Tagen wurden wir mal wieder daran erinnert, warum die das so empfinden: Manche Christdemokraten zeichnen ihre Nachrichten mit „Sieg Heil!“ Wenn das nichts zu bedeuten hat. Der Schoß ist fruchtbar noch …

Es wäre unfair von mir, nicht zu erwähnen, dass die Eine oder der Andere sich doch als belastbar solidarisch zur antifaschistischen Bewegung bewiesen hat. Aber leider blieben das meist Einzelpersonen. Ich kenne keine Gewerkschaft, keine Partei, keine Berufsgruppe, die mehrheitlich hinter unseren Interessen für eine bunte, offene, solidarische Gesellschaft steht. Darum lässt mich heute, zwanzig Jahre nach dem Mord an Alberto Adriano, an den wir hier erinnern, wenig hoffen, dass die kommenden Jahre nicht auch elend schwer werden. Denn bezogen auf die Persönlichkeiten, die der Gesellschaft ihre offizielle Prägung geben, hat sich wenig geändert. Vielleicht sind wir sogar weniger geworden.

Was mir aber doch Optimismus gibt, sind wieder junge Menschen, die ihre gesellschaftliche Umwelt und Zeitepoche kritisch betrachten und die richtigen Schlüsse daraus ziehen:

Nicht mehr nationalen Egoismus, sondern solidarisches Handeln, offene Grenzen,

Geflüchtete willkommen heißen.

Unterschiede zwischen Menschen nicht mit Zwietracht und Hass zementieren, sondern eine Welt mit gleichen Möglichkeiten und Freiheiten für alle entwickeln.

Die Erde nicht in ihrem Reichtum zu betrachten, den man ausbeuten kann, sondern das Nötige für ihren Erhalt zu tun.

Umdenken, statt an armseligen Gewohnheiten festhalten.

Es gibt diese Bewegung.

Und wenn sie groß und größer wird, wenn uns diese Zeit noch bleibt, hört vielleicht auch irgendwann die Gewalt, hört das Morden auf.

Aber so lange gilt: No Justice, no Peace!

Würdiges Gedenken zum 20. Jahrestag des Mordes an Alberto Adriano

Nach dem Mord an dem Afroamerikaner George Floyd, durch einen weißen Polizisten in aller Öffentlichkeit, gehen seit Wochen weltweit Menschen auf die Straße, um ihrer Wut und ihrer Trauer über das Geschehene Ausdruck zu verleihen. Sein Tod wirkt wie ein Fanal, welches den Kampf gegen Rassismus, aber auch Polizeigewalt und soziale Ungerechtigkeit auf eine neue Stufe hebt. Diesen Protesten schlossen wir uns in Dessau am 04.06. mit einer Kundgebung vor dem hiesigen Polizeirevier an. In Solidarität mit den Massenprotesten in den USA und Gerechtigkeit für George Floyd fordernd, kamen über 100 Personen vor dem Polizeirevier zusammen, in welchem Oury Jalloh am 07.01.2005 von deutschen Polizist*innen ermordet worden ist. Sein Tod, und auch der von Mario Bichtemann und Hans-Jürgen Rose, welche ebenfalls im Zusammenhang mit dem Dessauer Polizeirevier ums Leben kamen, wurde bis heute nicht aufgeklärt und die Täter*innen sind noch immer auf freiem Fuß.

Gestern nahmen wir dann den Jahrestag der Ermordung Alberto Adrianos zum Anlass, um den, in weiten Teilen der Gesellschaft noch immer verankerten, Rassismus anzuprangern und der Opfer rassistischer und faschistischer Gewalt würdig zu gedenken. Vor 20 Jahren, am 11. Juni 2000, wurde der aus Mosambik stammende 39-jährige von drei Neonazis im Dessauer Stadtpark brutal zusammengeschlagen und erlag drei Tage später im Krankenhaus seinen Verletzungen. Die Täter wurden wegen gemeinschaftlichen Mordes verurteilt. Der 23-jährige Enrico H. bekam eine lebenslängliche Freiheitsstrafe, die beiden 16-jährigen, Christian R. und Frank M., wurden zu 9 Jahren Haft verurteilt. Deutschlandweit und auch international sorgte diese grausame Tat für Aufsehen. Der Rassismus hatte mal wieder seine hässliche Fratze gezeigt, und dies auf die denkbar schlimmste Art.

Um zu zeigen, dass sein sinnloser Tod nicht vergessen ist, begannen wir den antifaschistischen Aktionstag um 18:00 Uhr mit einer Kundgebung an der Gedenkstele, welche im Stadtpark für ihn errichtet wurde. Nach einer kurzen Begrüßung gedachte seiner, u.a. mit einem Gebet, zuallererst die „Black Community“. Anschließend erfolgten die ersten Redebeiträge . Nach dem verlesen unseres Aufrufes, in welchem wir u.a. ein konsequentes antifaschistisches Handeln forderten, legten Teilnehmer*innen 20 Rosen an der Gedenkstele nieder, eine für jedes Jahr voller Wut, Trauer und Unverständnis. Nach weiteren Redebeiträgen formierte sich kurz nach 19:00 ein Demozug, um zum Polizeirevier zu ziehen, wo die Abschlusskundgebung stattfand. Eine lautstarke Demonstration bewegte sich dann durch Dessaus Innenstadt. Der Aufzug aus ca. 140 Personen trug auf dem Fronttransparent, gut sichtbar, die Namen von 182 Opfern rechtsextremer und rassistischer Gewalt.

Vor dem Polizeirevier wurde von der „Initiative in Gedenken an Oury Jalloh“ in Redebeiträgen wiederholt die Aufklärung des Mordes an Oury Jalloh, und der Tode von Mario BIchtemann und Hans-Jürgen Rose gefordert. Außerdem folgte ein kollektiver Kniefall, aus Respekt vor allen Opfern rassistischer Gewalt und in Solidarität mit den weltweiten Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt. Den Abschluss bildete ein musikalischer Beitrag von Mal Élevé.

Wir bedanken uns bei den vielen tollen Menschen, welche uns gestern so großartig unterstützt haben und hoffen auch zukünftig auf Eure Solidarität.

Rassismus bekämpfen !

No Justice – No Peace !

Black Lives Matter !

11.06. Gedenken an Alberto Adriano

Am 11. Juni veranstalten wir zusammen mit unseren Freund*innen von der „Initiative in Gedenken an Oury Jalloh“ eine Gedenkdemo für für Alberto Adriano, welcher an diesem Tag vor 20 Jahren von mehreren Neonazis schwer verprügelt wurde und am 14.06.2000 seinen Verletzungen erlag.

Die Demonstration beginnt um 18:00 mit einer Gedenkkundgebung an der Stele von Alberto Adriano im Dessauer Stadtpark. Danach folgt eine Demonstation zum Polizeirevier, wo die Abschlusskundgebung stattfnden wird.

Besonders nach den Ereignissen in den USA , der Ermordung von George Floyd, und den auch hier stattfindenden Massenprotesten, finden wir es wichtig, auch in Dessau ein starkes Zeichen gegen Rassismus zu setzen. Auch haben in Dessau struktureller Rassismus und Polizeigewalt ihre Opfer ( Oury Jalloh, Mario BIchtemann, Hans-Jürgen Rose) gefordet, an welche wir an diesem Tag ebenfalls erinnern werden.

11.06. | 18:00 | Stele von Alberto Adriano | Stadtpark  | Dessau

Hinweis:

  • alle Teilnehmer*innen müssen einen Mund -und Nasenschutz tragen und Abstand halten
  • alle Teilnehmer*innen in den abgesperten, bzw. gekennzeichneten Versammlungsbereichen müssen ihre persönlichen Daten hinterlassen. Diese gehen NICHT an die Behörden.

No Justice – No Peace!

Black Lives Matter!

Gegen Rassismus und Polizeigewalt!

Erfolgreiche Kundgebung gegen Rassismus und Polizeigewalt in Dessau

Am 4. Juni haben wir erfolgreich eine antirassistische Kundgebung vor dem Polizeirevier in Dessau durchgeführt. Anlass war der Tod des Afroamerikaners George Floyd, welcher vergangene Woche von einem weißen Polizisten in aller Öffentlichkeit ermordet wurde. Da im Dessauer Polizeirevier vor 15 Jahren Oury Jalloh verbrannt bzw. ebenfalls von Polizist*innen ermordet worden ist, fiel die Wahl des Versammlungsortes nicht schwer.

Die Kundgebung begann 20.00 und obwohl die Hygienemaßnahmen, zur Verhinderung der Ausbreitung von Covid 19, uns dzau zwangen, die Anzahl der Teilnehmer*innen ursprünglich auf ca. 20 zu begrenzen und von allen innerhalb des abgesperrten Versammlungsbereichs die persönlichen Daten einzufordern, so waren zum Ende der Veranstaltung insgesamt gut 100 Personen vor dem Polizeirevier versammelt.

Dem Motto „No Justice – No Peace“ entsprechend, wurde in Redebeiträgen die rassistische Polizeigewalt und der in ihr herrschende Corpsgeist angeprangert und zu Solidarität mit der protestierenden schwarzen Bevölkerung in den USA aufgerufen. Zum Schluss gedachten wir allen Opfern rassistischer Gewalt mi einer SChweigeminute und knieten aus Respekt vor diesen nieder.

No Justice – No Peace

04.06. Kundgebung „No Justice – No Peace“

GeorgefloydMobifinal
Die Bilder vom Sterben George Floyds am 25. Mai in Minneapolis machen zuerst stumm. George Floyd hat neun Minuten lang die Last eines anderen Menschen, eines Polizisten, auf seinem Hals. Erst ist er noch zu hören: „Ich kann nicht atmen -“ Dann ersterben die Worte, erstirbt der instinktive Widerstand gegen sein Sterben. Momente, in denen dir der Atem stockt.

Dann erfährst du aus den Nachrichten die näheren Umstände des Geschehens, den Tathergang. Du bist fassungslos. Wieder ein nichtiger Anlass, wieder eine angebliche Bedrohung des späteren Toten gegenüber Polizisten, die ihn – warum auch immer – kontrollieren wollen.

Wieder diese unbeschreibliche Brutalität, in völliger Selbstverständlichkeit ausgeübt durch einen, der die Leben der Bürger*innen seiner Stadt eigentlich schützen soll.
Wieder ist der Täter ein weißer Polizist, das Opfer ein Farbiger, ein Afroamerikaner.
Eine Tat, herausfbeschworen aus abartigem, perversem, mörderischem Rassismus. Am 25. Mai 2020 wie vor fünfzig, wie vor hundert Jahren.

Wie oft haben wir genau diesen „Fall“ schon erfahren, wie oft sind die Täter mit fadenscheinigen Verteidigungen durchgekommen und von ihrer Schuld frei gesprochen worden? Von Weißen, von ähnlich verblendeten Rassisten, vom rassistischen System in den USA – und anderswo.

Bei aller Trauer über den sinnlosen Tod von George Floyd macht die Reaktion der nichtrassistischen Bürger*innen in den USA Hoffnung auf ein Ende dieses Systems.
Sie tragen ihre Wut, ihre Fassungslosigkeit und ihre Ohnmacht auf die Straßen und erleben dabei, welche Macht sie entwickeln können, wenn sie ihre Wohnzimmer verlassen und draußen deutlich machen, was sie vom System der Ungleichheiten und des Machtmissbrauchs und der Lügen und der Selbstgefälligkeit der weißen Rassisten halten.

Darin wollen wir uns solidarisch an ihre Seite stellen. Auch in Dessau auf die Straße!

Gegen jeden Rassismus, gegen die Gewalt der bornierten Möchtegern-Übermenschen!

📢 04.06 | 20:00 | Polizeirevier, Wolfgangstr. 25 | Dessau

Aufgrund der derzeitigen Siutation und weil die Fläche vor dem Polizeirevier recht begrenzt ist, bitten wir um Verständnis, dass „nur“ ca, 20 Personen zur Veranstaltung zugelassen sind. Um den Hygienemaßnahmen zur Verhinderung einer weiteren Ausbreitung von Covid 19 gerecht zu werden, müssen außerdem alle Teilnehmer*innen einen Mund- und Nasenschutz tragen und ihre persönlichen Daten angeben. Zusätzlich empfiehlt es sich, regenfeste Kleidung, oder einen Regenschirm mitzubringen.
Ob Dessau oder Minneapolis – No Justice No Peace

Gedenken am 8. Mai in Dessau

Zum 75. Jahrestag der Befreiung vom Hitler-Faschismus, am 8. Mai 1945 durch alliierte Kampfverbände, ließen wir es uns trotz der Corona-Pandemie nicht nehmen, ein würdiges Gedenken für die Opfer dieses mörderischen Regimes durchzuführen.

Auf dem Friedhof  III im Süden der Stadt schnückten wir, wie auch in den vergangenen Jahren, die Gräber der ermordeten Zwangsarbeiter*innen mit Flieder, gedachten ihrer und gingen in einem Redebeitrag auf die Geschichte der zumeist aus der Ukraine stammenden Toten ein. Viele von ihnen kamen bei den schweren Bombenangriffen auf Dessau im März 1945 ums Leben, da ihnen der Zutritt in die schützenden Bunker verwehrt worden war. Unter den Ermordeten befanden sich neben den Zwangsarbeiter*innen, welche u.a. für den Bau des Schienennetzes der Dessauer Straßenbahn, mit bloßen Händen, eingesetzt worden waren, auch viele KInder.

Im Anschluß begaben wir uns zum Gräberfeld der „Verfolgten des Naziregimes“ , auf welchem Opfer des Kapp-Putsches (1920) begraben sind und auch bis heute anerkannte Opfer des Hitler-Faschismus und deren Angehörige ihre letzte Ruhe finden. Am Symbol des VVN gedachten wir auch ihnen.

 

Erinnern heißt kämpfen !!

Nie wieder Faschismus !!

Kein Vegeben, kein Vergessen !!

 

Geschäft mit rechtsextremen Modelabels soll bald in Dessau eröffnen

In der Dessauer Innenstadt steht offenbar ein Bekleidungsgeschäft kurz vor der Eröffnung, welches explizit auch Kleidung der rechtsextremen Modemarken „Label 23“ und „Pro Violence“ im Sortiment hat. Das Ladengeschäft in der Rabestraße 7 firmiert unter dem Namen „Streetwear Dealer“. Diese Firma hat ihren Sitz in Calbe (Saale) und im Impressum der Homepage wird ein Andreas Hohndorf aus Calbe (Saale) als Verantwortlicher genannt. Bisher existieren, neben einer Niederlassung in Calbe (Saale), auch Verkaufsstellen in Magdeburg und Bernburg. Offensichtlich bedient „Streetwear Dealer“ mit seiner Markenauswahl ganz bewusst und vor allem Rechte, Rechtsextreme, das Hooligan-Milieu und die Freefight-Szene. Davon zeugen auch die anderen Marken im Angebot, wie „Yakuza“, „Vendetta Inc.“, „Picaldi“ und „Pro Original Gangster“, welche in diesen Szenen ebenfalls sehr beliebt sind.

Label 23

Die Marke „Label 23“ entstand 2009 aus der Marke „Boxing Connection“, welche 2004 vom Cottbusser Neonazi Markus Walzuck mitbegründet wurde. Der Zahlencode 23 steht für „Boxing Connection“. Zusammen tragen beide Firmen den Namen „Label 23 – Boxing Connection“ . Inhaber der Marke ist seit 2017 der Cottbusser Jan Klatte. Bis heute ist die Marke stark in der rechten gewaltaffinen Fußballszene vertreten.

Die Kleidung der Marke bedient mit ihren Motiven nicht nur die Streetfighter -und Hooliganszene, sondern wirbt mit eindeutig zweideutigen Motiven (Eisernes Kreuz) und Botschaften: „Ihr könnt uns observieren aber nicht abservieren“ um Kundschaft.

Pro Violence

Auch die Marke „Pro Violence ( übersetzt „Für Gewalt“) setzt bevorzugt auf Kundschaft aus dem Hooligan-Milieu und der Freefight-Szene. Sie wurde 2003 gegründet und entstammt dem Umfeld des Neonazinetzwerks „Blood and Honour“. Gründer Christoph Herpich gehörte, bis zu dessen Verbot im Jahr 2000, zum Netzwerk von „Blood and Honour“ in Sachsen-Anhalt. Außerdem hatte er engen Kontakt zur Hooliganszene in Magdeburg. Sein ehemaliger Weggefährte und Mitarbeiter bei „Pro Violence“, Frank Kortz, ist ebenfalls in rechtsextremen Zusammenhängen verortet, wurde als Kampfsportler von der Marke gesponsert und modelte für sie. Außerdem „zieren“ mindestens fünf Hakenkreuze seinen Körper, sowie das Symbol der schwarzen Sonne und die bei Nazis beliebte „Triskele“-Rune.

Auf ihrer Kleidung wirbt die Marke mit gewaltverherrlichenden Slogans wie „Bloodsport“ und mit Codes der extremen Rechten wie bei „Pro Violence Open Season 88“.

Allein die Herkunft dieser beiden Modemarken zeigt, dass das neue Geschäft in der Dessauer Innenstadt ein ganz bestimmtes Klientel anziehen möchte und wird. Auch ist davon auszugehen , dass die Betreiber sehr wohl über deren Geschichte informiert sind, denn es gibt sie bereits einige Jahre und ihr Ruf eilt ihnen voraus.

Rechtsextreme Mode in Dessau? Nicht mit uns!

Quellen und weitere Informationen:

https://www.antifainfoblatt.de/artikel/%C2%BBleben-hei%C3%9Ft-kampf%C2%AB-die-cottbuser-marke-%C2%BBlabel-23%C2%AB

https://runtervondermatte.noblogs.org/label-23-boxing-connection/

https://runtervondermatte.noblogs.org/pro-violence-streetsport/

https://www.belltower.news/pro-violence-42758/

100 Jahre Widerstand gegen den Kapp-Putsch

Vom 13. bis 17. März 1920 unternahmen vor allem aktive und ehemalige Angehörige der Reichswehr, zumeist organisiert in sogenanten Freikrops, und Mitglieder der „Deutschnationalen Volkspartei“ (DNVP) einen konterrevolutionären Putschversuch gegen die nach der Novemberevolution geschaffene Weimarer Republik. Unter Führung von General Wallther von Lüttwitz verursachte dieser militärische Staatsstreich fast einen Bürgerkrieg, und wurde de facto durch einen deutschlandweit organisierten Generalstreik beendet. Zu diesem aufgerufen hatten, neben der SPD und verschiedenen Gewerkschaften, später auch die „Kommunistische Partei Deutschlands“ (KPD). Der  Generalstreik während des Kapp-Putsches war einer der größten in der deutschen Geschichte.

Auch bewaffnete linke Gruppierungen und Arbeiter*innen boten den Putschisten erheblichen Widerstand und sorgten, zusammen mit dem Generalstreik, für eine schnelle Beendigung des ca. 100 Stunden währenden Kapp-Putsches.  Auch in Dessau kam es zu bewaffneten Zusammenstößen, die am 16. März in der Fürstenstraße (heute Friedrich-Naumann-Straße) fünf Todesopfer forderten. Eine Gedenktafel in der Friedrich-Naumann Straße erinnert heute an sie.

Eintrag bei Wikipedia zum Kapp-Putsch

 

Kein Vergessen !!!

Nie wieder Faschismus !!!

 

Gedenktafel in Dessau in der Friedrich-Naumann-Straße

Erste Nachbetrachtung zum 6. und 7. März 2020 in Dessau

Seit dem Jahr 2005 hatte es in Dessau fast durchgängig, anlässlich der Bombardierung Dessaus im zweiten Weltkrieg, sogenannte „Trauermärsche gegeben. Diese wurden zumeist von der hiesigen Kameradschaftsszene angemeldet und organisiert. In den letzten Jahren war Alexander Weinert, wohnhaft in Roßlau, Anmelder dieses jährlichen faschistischen Mummenschanzes und in den Hochzeiten konnte er bis zu 300 Rechtsextreme für diese geschichtsrevisionistische Veranstaltung mobilisieren. Obwohl die Teilnehmerzahlen zuletzt deutlich rückläufig ausfielen, ca. 100 Teilnehmer*innen 2018 und 2019, mussten wir davon ausgehen, dass 2020 eine Art Wiederbelebungsversuch erfolgen würde. Nicht nur, dass der 7. März in diesem Jahr auf einen Samstag fiel, sondern auch der gleichzeitige 75. Jahrestag eines der prägensten Ereignisse in der jüngeren Geschichte Dessaus, ließ uns dies befürchten.

 

Kein Trauermarsch am 7. März

In diesm Jahr versuchten wir deshalb, erneut unter dem Motto „Nazis in Dessau? #jehtjarnich„, mit 2 raumgreifenden separaten Demonstrationszügen ( Innenstadt und Dessau Süd ) möglichen Demorouten der Nazis, vorbei an sensiblen Punkten, vorzubeugen. Abgesehen vom eigenständigen agieren, wollten wir damit auch möglichst flexibel auf diverse Szenarien reagieren können. Unsere beiden, mit insgesamt bis zu 150 Personen relativ ordentlich besuchten Versammlungen und die ebenfalls raumnehmenden Veranstaltungen der Zivilgesellschaft, ließen den Nazis somit nur wenig Spielraum für eine öffentlichkeitswirksame Aktion. Dies und vermutlich auch  Konflikte innerhalb der eigenen Szene, ließen das Mobilisierungspotential der Faschisten sogar soweit sinken, dass sie weder in Roßlau, dort befindet sich mit dem „Lager 77“ ein bekannter Treffpunkt der rechtsextremen Szene, noch in Dessau eine Versammlung im öffentlichen Raum organisiert bekamen.

 

Nazis weichen auf 6. März aus

Aufgrund dessen, dass die Nazis für den 7. März keine Möglichkeit sahen, öffentlichkeitswirksam und einigermaßen vorzeigbar aufzutreten, wichen sie kurzfristig auf den 6. März aus. Doch auch dieser Versuch mißlang. Nachdem ihr Vorabtreffpunkt bekannt geworden war, organisierten wir schnellstmöglich ab 17:00 eine Kundgebung, unter dem Motto „Kein Fussbreit den Faschisten„, vor dem Ehrenfriedhof im Süden der Stadt und ließen es somit nicht zu, dass Ewiggestrige diesen Ort mißbrauchen. Mit über 60 Teilnehmer*innen , darunter viele Jugendliche, war unsere Veranstaltung zudem sehr gut besucht, wenn man die kurze Vorlaufzeit von zwei Tagen bedenkt. Ein Großteil davon machte sich dann kurz nach 18:30 auf dem Weg in die Innenstadt, wo ein paar wenige und irgendwie verloren wirkende Faschisten, mit Fackeln und Transpi, unter den Kolonnaden des Rathauscenters in der Kavalierstr. standen. Gegen 19:30 lösten sie ihre Veranstaltung dort auf. Fotos vom Presseservice Rathenow

 

Zusammengefasst lässt sich somit die Aussage treffen, dass die Nazis es nicht geschafft haben, zum 75. Jahrestag der Bombardierung Dessaus einen „Trauermarsch“ durchzuführen und ihre „Ersatzveranstaltung am 6. März kaum der Rede wert war. Dieser Erfolg antifaschistischer und zivilgesellschaftlicher Arbeit, muss in den kommenden Jahren nicht nur durch konsequente und kontinuirliche Arbeit erhalten, sondern ausgebaut werden. Dabei hoffen wir erneut auf die zahlreiche und solidarische Unterstützung vieler Menschen, für die wir uns hiermit nochmal ganz herzlich bedanken möchten. Ganz besonders bedanken wir uns bei den lieben Leuten von Roter Stern Leipzig, welche uns in vielerlei Hinsicht im Vorfeld und auch am 7. März so großartig unterstützt haben. Danke auch an Leipzig nimmt Platz, Solidarisches Magdeburg und den vielen anderen Mitstreiter*innen. Wir freuen uns auf weitere Zusammenarbeit!

 

Fotos zum 6. März:

 

 

Fotos zum 7. März:

 

 

 

 

Alle wichtigen Infos zum 7. März in Dessau

Hiermit geben wir alle wichtigen Infos zum antifaschistischen Aktionstag am 7. März in Dessau bekannt.

Um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein und entsprechend flexibel agieren zu können, organisieren wir zwei separate Demonstrationszüge, welche sich im Süden der Stadt vor dem Ehrenfriedhof zu einer gemeinsamen Abschlusskundgebung vereinigen sollen. Bis zum jetztigen Zeitpunkt gibt es keine angemeldete Nazidemo, wir gehen jedoch davon aus, dass es, wie in den vergangenen Jahren, mindestens zu Störversuchen bei uns, oder den Versammlungen der anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen kommen wird. Bildet Bezugsgruppen, seid solidarisch und passt aufeinander auf!

Einen Überblick zu den sonstigen Veranstaltungen am 7. März in Dessau bekommt ihr hier:  Netzwerk Gelebte Demokratie

 

 

Treffpunkte am 7. März in Dessau:

Für den 07.03. mobilisieren wir in Dessau ab 12:00 Uhr zu folgenden Punkten:

Haptbahnhof Dessau ( für Anreisende aus nördlicher Richtung )

Bahnhof Dessau Süd ( für Anreisende aus südlicher Richtung )

 

Gemeinsame Anreisen: 

Anreise aus Leipzig:   11:30 | Gleis 2 Hbf tief | Hbf Leipzig

Anreise aus Magdeburg:   10:50 | ZOB | Hbf Magdeburg

 

Demoticker:   twitter.com/Dessau_Nazifrei

Hashtags:       #De0703  #jehtjarnich

EA:             0152/ 13 26 45 37

Infotel.:    0152/ 10 38 97 12

Die Sammelpunkte, Infostrukturen und der Ermittlungsausschuss sind ab 11:00 besetzt.

 

Aktionskarten:

Webversion :

AKTIONSKARTE NORD_web

AKTIONSKARTE SÜD_web

Druckversion: (PDF)

AKTIONSKARTE NORD_druck

AKTIONSKARTE SÜD_druck

 

Mit Bezug auf unsere Demoregeln und unseren Aktionskonsens, weisen wir darauf hin, dass wir KEINE Nationalstaatsfahnen auf unseren Demonstrationen und Kundgebungen sehen wollen.