Gedenken an Novemberpogrome in Dessau

Anlässlich der Novemberpogrome des Jahres 1938, bei welchen die Nationalsozialisten in Deutschland und Östereich mehrere hundert Menschen jüdischen Glaubens ermordeten und über 1400 Synagogen, Gebetsräume und jüdische Geschäfte plünderten, zerstörten und niederbrannten, gedachten wir gestern der Opfer dieser faschistischen Gräultaten an der jüdischen Stele in Dessau. An jener Stelle hatte bis zur sogenannten Reichspogromnacht die Synagoge der jüdischen Gemeinde zu Dessau gestanden. Nachweislich brannte sie als eine der ersten in ganz Deutschland. In den nächsten Jahren wird dort eine neue Synagoge für die stark wachsende Gemeinde der Stadt entstehen.

Nie wieder Faschismus !!!

Kein Vergessen !!!

kurzes Video zu gestern: Gedenken 09.11.2020

++++Abgesagt++++Revolutionsfilm im Kiez Kino Dessau am 8.11.2020 ++++Abgesagt++++

Update:

Aufgrund der Beschlüsse zur Verhinderung der Ausbreitung von #Covid19, müssen wir leider auch unsere Veranstaltung mit Uli Bez am 8. November im Kiez Kino Dessau absagen! Die Veranstaltung wird definitiv in irgendeiner Weise nachgeholt.

Bleibt gesund!

In Kooperation mit der Heinrich -Böll-Stiftung Sachsen-Anhalt zeigen wir im „Kiez Kino Dessau“ den Film „Es geht durch die Welt ein Geflüster“ von Uli Bez. Nach dem Film wird die Regisseurin für eine ausführliche Gesprächsrunde zur Verfügung stehen.

08.11.2020 | 17:00 | Kiez Kino, Bertolt-Brecht-Str. 29A | Dessau

Eintritt frei und Getränke gegen Spende.

Filmbeschreibung:

7. November 1918. Revolutionäre Nacht in München. Nach einer Großdemo führt Kurt Eisner die Menschenmenge zu den Kasernen. Die kriegsmüden Soldaten laufen sofort über. Der König samt Entourage flieht. Ohne Blutvergießen wird der Freistaat Baiern geboren. In der Folge kämpfen revolutionäre und reaktionäre Kräfte mit allen Mitteln um die Macht. Eisner wird ermordet. Zwei Räterepubliken sind von nur kurzer Dauer. Die junge Demokratie ist verletzlich und scheitert, wird blutig niedergeschlagen. Es geht durch die Welt ein Geflüster entstand 1988 und verwebt zeitgeschichtliche Filmdokumente und Interviews. Zu Wort kommen die damals bereits hochbetagten Zeitzeug*innen aus dem anarchistischen, kommunistischen, sozialistischen und anarcho-syndikalistischen Spektrum wie Benno Scharmanski, Centa Herker, Hugo Jakusch, Sophie Radischnigg, Minna Dittenheber, Emil Meier und Peter Lichtinger. Sie sind Kinder und Jugendliche aus dem sozialdemokratischen Arbeitermilieu, die die Revolution aus der Nähe erlebt haben, mir ihr sympathisierten oder mitgekämpften. Während der Nazidiktatur wurden sie verfolgt, ins KZ gesperrt und gefoltert.
Im Film werden die Errungenschaften der Revolution ebenso thematisiert wie ihr Scheitern. Dazu gehören die Verwerfungen innerhalb der Linken wie auch die Heldinnen der Frauenbewegung; zuvorderst das Lesbenpaar Anita Augspurg und Lida Gustava Heymann, die Revolutionärinnen Hilde Kramer, Zenzl Mühsam, Sarah Sonja Lerch und Hedwig Kämpfer, einzige Richterin im Revolutionstribunal.
Für diejenigen, die heute für eine gerechte Gesellschaft kämpfen wirft „Es geht durch die Welt ein Geflüster“ brisante politische Fragen auf: Welche Utopien brauchen wir heute? Was tun, wenn die Freiheit auf der Straße liegt? In welcher Welt wollen wir leben?

Buch & Regie: Uli Bez D 1989/Neufassung 2019 75 Min./DVD mit Bonusmaterila 80 Min.

Kamera: Petra Gerschner Ton: Michael Backmund Recherchekollektiv: Ulrike Bez Petra Gerschner Michael Backmund
Produktion: Peider A. Defilla/B.O.A. und Ulrike Bez http://www.bezmedien.de/index.php/es-geht-durch-die-welt-ein-gefluester

Die Interviews mit den Zeitzeug*innen sind 1988 in kollektiver Zusammenarbeit von Ulrike Bez, Petra Gerschner und Michael Backmund entstanden, um die Berichte und Erfahrungen der wenigen noch lebenden Augenzeug*innen zu bewahren und weiterzugeben.
Als filmische Dokumente sind die Interviews in voller Länge im Lernforum des NS-Dokumentationszentrum München zu sehen.

Nachbetrachtung zum Aktionstag „Spielplätze statt Haftplätze“ am 10.10. in Dessau

Seit dem Jahr 2017 möchte das Land Sachsen-Anhalt einen Abschiebeknast in Dessau errichten. Nach mehrmaliger Verzögerung sollen die Umbauarbeiten in der ehemaligen Justizvollzugsanstalt in der Willy-Lohmann-Straße nun im nächsten Jahr beginnen. Während sich die Stadtoberen und auch ein Großteil der Bevölkerung Dessau-Roßlaus darüber freuen, dass das denkmalgeschützte Gebäude nicht dem Verfall überlassen werden muss, können wir daran nichts Positives finden. Nicht nur, dass wir es generell inhuman und verwerflich finden Menschen abzuschieben, wir verurteilen ganz besonders, dass Menschen einfach eingesperrt werden, obwohl sie nicht wegen krimineller Handlungen verurteilt wurden. Denn in Abschiebehaft wird „nur“ genommen, wer sich der Abschiebung entziehen könnte. Natürlich ist das, sich einer Abschiebung zu entziehen, kein strafbarer Akt, trotzdem werden Geflüchtete vorverurteilt und weggesperrt. Dabei sind vermutlich ca. 50% all dieser Inhaftierungen ungesetzlich. Den Behörden ist es jedoch scheinbar egal, ob die „ungebetenen“ Gäste krank, alt, jung, oder arm sind. Es ist ihnen egal, ob sie in ihren Herkunftsländern sicher und in Frieden leben können. Menschen werden ihrer Freiheit beraubt, und ihr einziges „Verbrechen“ ist es, NICHT nach Deutschland zu gehören. Einem Land, welches definitiv groß und reich genug ist, um Menschen aufzunehmen, welche sich hier in Ruhe und Frieden ein neues Leben aufbauen wollen. Die „Spitze des Eisbergs“ ist für uns, dass auch Kinder in deutsche Abschiebegefängnisse verbracht werden. Es gibt in Deutschland nämlich keine Altersgrenze für die Abschiebehaft, weder nach oben, noch nach unten. Kinder, egal welchen Alters, gehören nicht in den Knast, sondern auf den Spielplatz! Zusammen mit unseren Freund*innen vom Wir mit Dir e.V. aus Aken luden wir daher unter dem Motto Spielplätze statt Haftplätze für den vergangen Samstag zu einem Aktionstag nach Dessau ein.

Der Tag begann ab 11:00 mit einem Vortrag von Frank Gockel aus Büren, welcher sich seit Jahren für die Abschaffung der Abschiebehaft einsetzt, Menschen in Abschiebehaft betreut und Mißstände bei Justiz und Behörden anprangert. Fank hat uns anschaulich vermittelt, was es für Menschen bedeutet, in Abschiebehaft zu kommen. Auch ist er auf die über 100 jährige Geschichte der Abschiebehaft in Deutshland eingegangen. Wir freuen uns schon jetzt auf ein Wiedersehen, wenn der „Familienknast“ in Dessau eröffnet wird. Leider besuchten den sehr interessanten, knapp 2 stündigen, Vortrag im „VorOrt Haus“ nicht mal 20 Personen. Wir bedanken uns bei Frank für den sehr aufschlußreichen Vortrag und bei der Rosa Luxemburg Stiftung Sachsen-Anhalt für die schnelle und unbürokratische Unterstützung bei der Finanzierung.

Nach dem Vortrag gingen wir zum eigentlichen Geschehen des Tages über, unserem kleinen Straßenfest vor dem zukünftigen Abschiebeknast. Ab 14:00 konnten sich dort bei schönstem Herbstwetter Kinder und Junggebliebene beim basteln und malen ausprobieren, Dosen werfen, ihre Fähigkeiten im Straßenfussball vorzeigen, oder beim Stand des Von der Rolle e.V. ein paar Tricks im skaten üben. Gegen Spende konnten selbstgemachte Buttons erworben werden und einige „Ältere“ beschäftigten sich mit dem malen von Transparenten. Bevor wir jedoch so richtig loslegen konnten, kam spontan der Kinder und Jugendzirkus „Raxli Faxli“ vorbei und lockte mit toller Artistik und Zaubereinlagen alle Blicke auf sich. Danke für die spontane Einlage! Politik gab es naturlich auch, schließlich war es ja eine politische Versammlung mit Straßenfest. In mehreren Redebeiträgen wurde deutlich gemacht, dass Abschieben unmenschlich und besonders für Kinder keine Option ist. Ebenso, dass wir keinen Abschiebeknast brauchen, weder in Dessau, noch sonst wo. Unsere Gäste vom Medinetz Halle/Saale e.V. forderten in ihrem Redebeitrag eine deutliche Verbesserung der medizinischen Versorgung für Geflüchtete, welche diese zumeist nur sehr unzureichend erhalten und schwere Erkrankungen somit oft nicht richtig behandelt werden. Gegen 17:00 begannen wir dann langsam mit dem Abbau und beendeten die Kundgebung eine halbe Stunde später. Zu Hochzeiten waren ca. 60 Teilnehmer*innen anwesend. Diese Zahl stimmt uns für kommende Veranstaltungen in diesem Rahmen durchaus zuversichtlich.

Dies waren ganz sicher nicht unsere letzten öffentlichen Veranstaltungen zu diesem Thema und auch die ehemalige JVA werden wir noch öfter aufsuchen. Wir bedanken uns bei allen Uuterstützer*innen und Teilnehmer*innen. Wir sehen uns bestimmt bald wieder.

Über 100 Jahre Abschiebehaft sind genug, wir fordern weiterhin:

Abschiebehaft abschaffen !!!

Spielplätze statt Haftplätze !!!

Kein Mensch ist illegal !!!

Flucht ist kein Verbrechen !!!

Fotos von der Kundgebung vor dem zukünftigen Abschiebeknast:

Gedenken zum 1. Jahrestag des versuchten Attentats auf die jüdische Gemeinde in Halle

Am 9. Oktober 2019 versuchte der Antisemit Stefan B., einen Massenmord an der jüdischen Gemeinde in Halle (Saale) zu verüben. Dafür hatte er sich mit „Jom Kippur“ den höchsten jüdischen Feiertag ausgesucht. Nachdem er die massive Eingangstür der gut besuchten Synagoge auch mit Waffengewalt nicht öffnen konnte, erschoss er vor dem Gebäude eine Passantin und kurz darauf den Gast eines Döner-Imbisses. Auf seiner Flucht verletzte er zwei Personen durch Schüsse. Der Täter wurde u.a. wegen zweifachen Mordes und wegen 68 versuchten Morden angeklagt. Aktuell läuft das Verfahren am Landgericht in Magdeburg. Stefan B. hat seine Taten gestanden.

Zusammen mit Vertreter*innen der jüdischen Gemeinde in Dessau, möchten wir der Opfer von Halle gedenken und laden hiermit zu folgender Veranstaltung ein:

09.10.2020 | 16:00 | jüdische Stele/Askanische Str./Kantorstr. | Gedenken der Opfer von Halle | Dessau

Flyer und Plakate für den 10.10. sind eingetroffen!

Zusammen mit vielen Unterstützer*innen, darunter dem Wir mit Dir e.V. aus Aken, Fridays for Future Dessau, das VorOrt Haus, Frank Gockel (Büren), die Rosa Luxemburg Stiftung Sachsen-Anhalt, sowie Support durch den Von der Rolle e.V. von der Andes Skatehalle, werden wir am 10. Oktober in Dessau auf die inhumane Praxis der Abschiebehaft aufmerksam machen und mit einem kleinen Straßenfest für Jung und Alt, vor dem zukünftigen Abschiebeknast, dagegen protestieren.

11:00 | VorOrt Haus, Wolfgangstr. 13, Vortrag von Frank Gockel (Büren) „Was ist Abschiebehaft?“

14:00 | ehem. JVA, Willy-Lohmann-Str. 27, Kundgebung/ Straßenfest

Falls ihr Plakate (A2) oder Flyer für eure Schule u.o. Jugendtreff, oder Sportverein beötigt, meldet euch per Mail an dessau-nazifrei@riseup.net.

Abschiebehaft abschaffen !

Kein Mensch ist illegal !

Spielplätze statt Haftplätze

Nur wenige Meter vom Bauhausmuseum entfernt soll bis zum Jahr 2022 ein Abschiebeknast entstehen. Während im weltoffenen Bauhausmuseum Menschen aus aller Welt freundlich und wohlwollend empfangen werden, ist nur etwa 700m weiter von all dem keine Rede mehr.

Das Land Sachsen-Anhalt möchte die ehemalige Dessauer Justizvollzugsanstalt in der Willy-Lohmann-Straße bereits seit Jahren in eine Abschiebehaftanstalt umbauen. Nun sollen die Umbauarbeiten im nächsten Jahr beginnen.Vorgesehen sind 30 Haftplätze, u.a. auch für Minderjährige.

Menschen ihrer Freiheit zu berauben, nur weil sie angeblich nicht hierhergehören, ist für uns nicht hinnehmbar. Flucht ist KEIN Verbrechen! Und Kinder gehören NICHT in den Knast, sondern auf den Spielplatz!

Wir fordern: „Spielplätze statt Haftplätze“ !

11:00:  Vortrag „Was ist Abschiebehaft?“, VorOrt Haus Wolfgangstr. 13

14:00:   Kundgebung/Straßenfest, ehem. JVA, Willy-Lohmann-Str. 27

Kein Mensch ist illegal !

Abschiebehaft abschaffen !

Gelungene Veranstaltung in Dessau zum Antikriegstag

Anlässlich des weltweiten „Antikriegstages“, haben wir gestern in der Dessauer Innenstadt diverse Aktionen durchgeführt, welche zum mitmachen und mitgestalten einluden. In Deutschland wird der 1. September seit den 50er Jahren als „Antikriegstag“, oder auch „Weltfriedenstag“ begangen und bundesweit zu Aktionen für den Weltfrieden und militärische Abrüstung aufgerufen.

Unter dem Motto „Nie wieder Krieg – Nie wieder Faschismus“ luden wir ab 15:00 Uhr dazu ein, auch in Dessau ein wichtiges Zeichen für ein weltweit friedliches Miteinander zu setzen und sich gegen Fremdenhass und Außgrenzung zu positionieren. Am Friedensmonument, an der Museumskreuzung (Kavalierstr./Ecke Askanische Str.), konnte der Kreativität mit Malkreide freien Lauf gelassen werden. Viele aussagekräftige Friedensbotschaften in Form von Bild und verschiedenen Sprachen entstanden so auf Pappen und dem Gehweg. Am Bauhausmuseum wurden unterdessen Kraniche gefaltet und anschließend in die Bäume gehangen. Auch ein Büchertisch und Lesungen stifteten dazu an, dort zu verweilen und sorgten für einen regen Publikumsverkehr.

Wir bedanken uns bei allen Teilnehmer*innen. Natürlich werden wir uns auch zukünftig mit solchen und ähnlichen Aktionsformen für das hehre Ziel des Weltfriedens einsetzen und hoffen, dann noch mehr Unterstützer*innen gewinnen zu können.

Nie wieder Krieg – Nie wieder Faschismus !

Impressionen vom Aktionstag:

Antikriegstag am 1. September 2020 in Dessau

Am 1. September wird weltweit der „Antikriegstag“ begangen, welcher sich auf den Überfall von Deutschland auf Polen am 01. September 1939 bezieht und somit den Beginn des 2. Weltkrieges darstellt. Unter dem Motto „Nie wieder Krieg – Nie wieder Faschismus“ lädt das „Bündnis Dessau Nazifrei“ dazu ein, auch in Dessau ein wichtiges Zeichen für ein weltweit friedliches Miteinander zu setzen, sowie gegen militärische Aufrüstung und ein Wiedererstarken von Rassismus und Nationalismus.

Ab 15:00 am Mies-van-der-Rohe-Platz (vor Bauhausmuseum): Kraniche falten.Lesung und Büchertisch.

Ab 15:30 am Fiedensmonument: Friedenswünsche in verschiedenen Sprachen auf Pappen und Gehweg schreiben.

Nie wieder Krieg – Nie wieder Faschismus !

Offener Brief an Thalia – Bücher von Attila Hildmann raus aus den Regalen!

Sehr geehrte Betreiber*innen und Mitarbeiter*innen,

unter der Rubrik “Kochbücher” befindet sich in Ihrer Dessauer Filiale Literatur von Attila Hildmann. Dieser Autor ist kein unbeschriebenes Blatt und auch wenn die Verfassung von Kochbüchern zunächst harmlos erscheinen mag, ist in seinem Fall der ideologisch extreme Hintergrund nicht zu ignorieren. Zur Veranschaulichung seiner Gesinnung möchten wir einige Beispiele nennen:

Die Kanzlerin, Angela Merkel, bezeichnet er als Zionistin und Satanistin; Adolf Hitler hingegen als Segen. Einen gewalttätigen Angriff der türkisch nationalistischen „Grauen Wölfe“ auf Demokrat*innen in Wien unterstützte er in seinem Telegram – Kanal. Bezüglich der COVID-19-Pandemie verbreitete er zahlreiche verschwörungstheoretische Ideen. Das Berliner Trinkwasser hält er für vergiftet, um die Bevölkerung ruhig zu stellen. An allem wären die Juden schuld, die den Holocaust selbst finanzierten, um Deutschland durch Reparationsleistungen in den Ruin zu stoßen. Diese Liste ließe sich beliebig fortführen. Weitere diesbezügliche Informationen finden sich im Internet. Zu erwähnen wäre noch, dass sich Herr Hildmann als neuer Staatschef sieht.

Uns ist mittlerweile allen bewusst, dass rechtsextremes Gedankengut mit seinen teilweise tödlichen Folgen in allen gesellschaftlichen Zusammenhängen Eingang gefunden hat und jeder demokratisch gesinnte Mitbürger aufgefordert ist, dem etwas entgegenzusetzen. Hasspredigern darf weder eine Plattform zur Verbreitung ihrer Ideologie, noch Beihilfe zu deren materiellem Gewinn geboten werden. Im Fall von Attila Hildmann distanzierten sich bereits viele seiner nun ehemaligen Geschäftspartner; seine Social-Media Kanäle wurden geschlossen. Seitens der Polizei und des Staatsschutzes wird gegen diese Person ermittelt.

Nun dient die Verbreitung von Literatur traditionell u.a. der Aufklärung und für Sie als Betreiber einer Buchhandlung besteht eine besondere Verantwortung, dieser Aufgabe im wahrhaften Sinne gerecht zu werden. Aus den aufgeführten Gründen möchten wir Sie ersuchen, sämtliche Werke von Attila Hildmann aus Ihrem Sortiment zu entfernen.

Mit antifaschistischen Grüßen

Bündnis Dessau Nazifrei

Redebeitrag von uns auf der Kundgebung in Gedenken an Alberto Adriano

Vor 30 Jahren entstand unsere schöne neue Welt.Die große bunte Bundesrepublik. Ein Vorzeigeland in Sachen sozialer Sicherheit, demokratischer Mitbestimmung.

In den Jahren nach den entscheidenden Umwälzungen von 1989 / 90 bekamen viele von den Vereinigungs-Trunkenen gar nicht mit, dass neben der Westdemokratie-Glückseligkeit noch etwas anderes aus dunklen Gossen wieder hochwaberte: Die alte Ideologie der Ultra-Nationalen, des deutschen Übermenschen, des sogenannten Nationalsozialismus, des Rassismus, der Bereitschaft zu menschenverachtender Gewalt – gegen anders denkende, anders aussehende, anders lebende, anders wohnende, anders glaubende, anders sprechende, anders liebende Menschen.

Und obwohl einschneidende, unbegreiflich brutale mörderische Akte und eine nicht zu übersehende politische Neustrukturierung mit Auswirkungen bis weit in die sogenannte Mitte der Gesellschaft von diesen Kreisen ausgingen,sensibilisierten diese Ereignisse und gesellschaftlichen Entwicklungen lange nur wenige Personen außerhalb der bedrohten Kreise.

Dezember 1990 – Der Angolaner Amadeu Antonio Kiowa wird in Eberswalde ermordet

August 1992 – tagelange schwere Ausschreitungen in Rostock, der Sturm auf das Sonnenblumenhaus

November 1992 – Brandanschlag in Mölln

Mai 1993 – Brandanschlag in Solingen

Und so weiter und so fort, kann man ohne Übertreibung sagen. Im Jahr 2000 dann der Mosambikaner Alberto Adriano in Dessau – erschlagen, totgetreten von drei rechtsverblendeten jungen Männern. Unglaubliche Taten. Die Opfer: asylsuchende Geflüchtete, Zugewanderte, ehemalige Vertragsarbeiter … Menschen, die nicht ins Deutschland-Raster eines Rechtsextremen – und zunehmend auch scheinbar normaler Durchschnittsmenschen – passen.

Besonders eine Gruppe organisiert sich in jenen Jahren zur Gegenwehr, zumWiderstand, zur Verteidigung der Bedrohten und zur Schaffung von Schutzräumen: Ein Haufen junger, bunter Menschen, die sich vor allem politisch links und kulturell „alternativ“ definieren. Sie nahmen von Anfang an den Kampf gegen die neuen Nazis auf. Aber egal, wie sie sich dabei angestellt haben, von der Mehrheitsgesellschaft sind sie nur als das linke Schmuddel-Gegenstück der Nazis behandelt worden. Es gab in den 90er Jahren wenig Sympathie für oder gar Solidarität mit Leuten, die sich Antifaschist*innen nannten. Wie weit sind wir in Dessau bürgerlichen Kreisen entgegengegangen, um ein großes Bündnis gegen Nazis zu gründen?! Es war ein Zugeständnis, es schließlich „Bündnis gegen Rechtsextremismus“ zu nennen – weil der CDU „Bündnis gegen Rechts“ zu sehr auch gegen sie gerichtet klang. In den letzten Tagen wurden wir mal wieder daran erinnert, warum die das so empfinden: Manche Christdemokraten zeichnen ihre Nachrichten mit „Sieg Heil!“ Wenn das nichts zu bedeuten hat. Der Schoß ist fruchtbar noch …

Es wäre unfair von mir, nicht zu erwähnen, dass die Eine oder der Andere sich doch als belastbar solidarisch zur antifaschistischen Bewegung bewiesen hat. Aber leider blieben das meist Einzelpersonen. Ich kenne keine Gewerkschaft, keine Partei, keine Berufsgruppe, die mehrheitlich hinter unseren Interessen für eine bunte, offene, solidarische Gesellschaft steht. Darum lässt mich heute, zwanzig Jahre nach dem Mord an Alberto Adriano, an den wir hier erinnern, wenig hoffen, dass die kommenden Jahre nicht auch elend schwer werden. Denn bezogen auf die Persönlichkeiten, die der Gesellschaft ihre offizielle Prägung geben, hat sich wenig geändert. Vielleicht sind wir sogar weniger geworden.

Was mir aber doch Optimismus gibt, sind wieder junge Menschen, die ihre gesellschaftliche Umwelt und Zeitepoche kritisch betrachten und die richtigen Schlüsse daraus ziehen:

Nicht mehr nationalen Egoismus, sondern solidarisches Handeln, offene Grenzen,

Geflüchtete willkommen heißen.

Unterschiede zwischen Menschen nicht mit Zwietracht und Hass zementieren, sondern eine Welt mit gleichen Möglichkeiten und Freiheiten für alle entwickeln.

Die Erde nicht in ihrem Reichtum zu betrachten, den man ausbeuten kann, sondern das Nötige für ihren Erhalt zu tun.

Umdenken, statt an armseligen Gewohnheiten festhalten.

Es gibt diese Bewegung.

Und wenn sie groß und größer wird, wenn uns diese Zeit noch bleibt, hört vielleicht auch irgendwann die Gewalt, hört das Morden auf.

Aber so lange gilt: No Justice, no Peace!